1/8
Anfrage schicken

Wünschen Sie einen Anruf von uns?
* obligatorische Felder

Rede von Prof. Janez Koželj zur Eröffnung der ersten Ausstellung von Containerarchitektur

Ljubljana, den 23. Juni 2010 – Gestern fand im Museum für Architektur und Design in Ljubljana die feierliche Eröffnung der ersten Ausstelllung von Containerarchitektur aus der ganzen Welt statt. An der Ausstellung stellen sich neben weltbekannten Architekten auch zahlreiche junge Architekten mit ihren inspirirenden und preisgekrönten Projekten vor.

Der Vizebürgermeister von Ljubljana und Architekt Prof. Jože Koželj hielt anlässlich der Eröffnung der Ausstellung eine Ansprache:

«Der Architekt Jure Kotnik hat das Phänomen der Containerarchitektur zuerst in seiner Diplomarbeit mit dem Titel Conhouse (Containerhaus) untersucht und dann diese Architektur auf seinem Portal www.conhouse.com  Interessierten zur Schau gestellt.

Ein bei weitem wichtigeres Ergebnis beim Versuch Containerarchitektur zu vermarkten erzielte Jure Kotnik im Jahre 2008, als es ihm gelang, beim Verlag Links in Barcelona das herausragende Buch Conarch, in dem 6441 Container dargestellt werden, herauszugeben. Die Ausstellung, die wir heute eröffnen, basiert gerade auf diesem Buch und sie zeigt noch mehr interessante Bauten aus Containern. Diese Objekte zeigen die Vielfalt, den Reichtum an Gestaltungsmöglichkeiten und die Zahl neuer Ideen in dieser Richtung in der Architektur. 

Das Buch beginnt mit der Feststellung, dass das Bauen mit Containern ein junger Zweig der modernen Architektur ist, und dass es mit seinen attraktiven, zusammengesetzten Formen bei den Medien besonderes Aufsehen erregt.
 
Es stimmt wirklich. Die Containerarchitektur ist eine neue und verspielte, vor allem aber pragmatische und schlichte Architektur, bei der die Lösung sofort sichtbar ist, da sie mit ihrer Raumform übereinstimmt. Diese Architektur ist Jure Kotnik auf den Leib geschrieben, da sie in Einklang ist mit seinem lockeren Auftreten und seiner ungezwungenen Arbeitsweise, mit der er einfache, schnelle und innovative Lösungen sucht. Das Wesen der Containerarchitektur ist gerade dieser Hang zum Einfachen, da sie schon von Anfang an eine Vereinfachung der verschiedensten Probleme ermöglicht, die man nur dadurch lösen kann, indem man die Grundraumeinheiten zusammenfügt und ordnet.

Die Containerarchitektur ist an für sich schon Architektur, da bereits ihre Grundeinheit alle notwendigen und erforderlichen Bedingungen hinsichtlich Sicherheit, Schutz, Stabilität und Verwendungsvielfalt garantiert. Somit können wir unsere ganze Aufmerksamkeit - statt einem im Normalfall komplizierten Projektierungsprozess - dem Zusammenfügen der Container mit Blick auf Umfang, Zweck und Standort widmen. Wichtig ist, wo die Container Öffnungen bekommen, wie sie ausgestattet werden hinsichtlich der speziellen Anforderungen an Funktionalität, und mit welcher Farbe sie versehen werden.

Die Containerarchitektur ist sehr wohl ein interessantes und lehrreiches Phänomen. Sie ist weder Schachtel noch Blase – die Ikonen der modernen Architektur – sondern weit mehr, weil sie schon in ihrem Kern Struktur, Zusammenfügen, Wachsen und Verändern andeutet.

Die Containerarchitektur ist in jedem Fall von Bestand, da es dem Prinzip verkleinern, wieder verwenden und recyclen folgt. Das Motto ist: Mach mehr aus weniger – with less more!

Sie fasst alle Eigenschaften der modernen Architektur zusammen, und zwar in ihren Ursprungsansätzen: sie ist industriell, großserientauglich, modular, mobil, additiv, zusammenfügbar, selbsttragend, eine offene und wachsende Struktur.  Sie kann zu allen Formen zusammengefügt werden kann: in Reihen, zu einem Kreuz, zu Trauben und in Furchen. Sie können in die verschiedensten Gebäudeformen zusammengestellt werden: Blocks, Teppiche, Fliesen, Faltschachteln, Zapfen.

Das Gebäude aus Containern kann schnell errichtet und schnell zerlegt werden. Der Transport ist einfach und es kann praktisch gelagert werden. Der Baustein ist eine selbständige Funktionseinheit, die vieles ermöglicht. Es gehört zum so genannten Low-Tech Strukturalismus, der statt nur funktionell eher eine wirklich internationale und kosmopolitische Stilrichtung sein wollte.

Für die Containerarchitektur ist vor allem charakteristisch, dass sie eine klar erkenntliche Botschaft trägt und mit einer starken Wertekonnotation versehen ist. Sie steht für:

  • eine fortschrittliche, flexible, offene Gesellschaft,
  • einen dynamischen Raum, der sich ständig verändert,
  • einen Verwender ohne Vorurteile,
  • einen innovativen Architekten, einen geschickten Designer,
  • die forschende Natur der Architektur.


Die gegenwärtige Ausstellung ist auch eine Chance, dass wir uns der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts erinnern, dem Phänomen des Strukturalismus, dessen Programm und seiner Vertreter.

Die Strukturalisten strebten in erster Linie nach einer Harmonie von Form des Raumes und Gesellschaftsform. Die Antwort auf diese Frage fanden sie in der polyvalenten Form der Struktur, die eine Selbstbeteiligung des Einzelnen und seine persönliche Interpretation ermöglicht.

Erinnern wir uns an die berühmten Architekten: Hermann Hertzberger, Candilis und Josič, Shagrach Woods, Aldo van Eyck, Luis Kahn, Van den Broek & Bakeme, Lucien Kroll, Piet Bloom,  an das Habitat 67 von Moshe Sadfij in Montreal, an das Weisenhaus von Aldo van Eyck in Amsterdamu. Sie haben schon in den 80er Jahren revolutionäre und herausragende Arbeiten nach strukturalistischen Methoden und in der charakteristischen Ästhetik der Zahlen geschaffen.

Die Containerarchitektur aktualisiert zweifelsohne die Bedeutung der Struktur in der Architektur, da sie auf die Errichtung von Verhältnissen und Funktionen des kleinsten Elements – des Containers zur Struktur des Gebäudes – aufbaut. Dies gibt dem ganzen Schaffen erst einen wahren Sinn und eine Bedeutung. Die Containerarchitektur betont die prozessuale Sichtweise auf den Raum als ein offenes System und eine flexible Struktur. Diese Sichtweise ist in einem ausgeprägten Gegensatz zur dogmatischen und statischen Sichtweise auf die Architektur, die Stadt, den Raum und die Zeit.

Zahlreiche Studentenwohnheime, Wohnungen für junge Familien, Schulen und Kindergärten, Jugendzentren und andere Gebäude aus Containern werden vor allem in den Niederlanden, aber auch in den USA, in Kanada, England und Spanien errichtet.

Ich wage zu sagen, dass die Containerarchitektur eigentlich in jenen Ländern am populärsten ist, die technologisch fortschrittlich sind und wo Kreativität unterstützt wird, vor allem dort, wo solch eine Architektur hilft soziale Probleme zu lösen.

Bei uns in Slowenien ist die Containerarchitektur nicht sehr erwünscht. Sie wird durch nicht erfindungsreiche Politik, administrative Hindernisse und bürokratische Vorbehalte behindert, aber auch Vorurteile in der Öffentlichkeit, eine allgemeine Abneigung gegen Experimente, ungebildete Bauherren und letztendlich auch nachgebende Designer sind oft hinderlich.

Wie sehr Containerarchitektur verbreitet ist, zeigt meiner Meinung nach verlässlich den technologischen Entwicklungsgrad einer Gesellschaft, ihre Vorliebe für praktische, pragmatische und innovative Lösungen.

Bitte erlauben Sie mir, dass ich mit diesem Gedanken abschließe: Die Containerarchitektur gebraucht den Raum zum freien und verantwortungsvollen Schaffen. Solche Räume sind bei uns noch eher selten, solche Räume müssen wir noch erschließen. Dazu soll auch diese Ausstellung beitragen. Das soll ihre Botschaft sein und eine Herausforderung an alle jung gebliebenen Architekten.«